Start Allgemein Survival-Spiele im echten Leben

Survival-Spiele im echten Leben

0
©Bethesda Softworks

Stählerne Nerven, blitzschnelle Reaktionen, clevere Strategien – Survival-Games fordern dem Spieler alles ab. Das auf Adrenalin basierende Genre ist einer der Dauerbrenner bei den Videogames, aber auch in der Filmbranche, in der Horror und Thriller die Zuschauer förmlich an den Bildschirm fesseln.

Die Spiele, die es zum Teil sogar in eine eigene eSports-Liga geschafft haben, gehören zwar noch nicht zu den großen, auch für Wetten beliebten Videogames, die in Weltmeisterschaften ausgetragen werden. Aber die Zahl der Fans steigt ständig, auch weil es immer mehr Survival-Game-Ableger von anderen Spielehits gibt. Sogar „Minecraft“, das mit mehr als 200 Millionen verkauften Exemplaren das erfolgreichste Videogame aller Zeiten ist, bietet seinen Fans einen Survival-Modus an. Dabei müssen die Spieler nicht nur durch das Terraforming mit den Baublöcken eine eigene Welt schaffen, sie kämpfen auch ums Überleben. Obwohl die Spielewelt deutlich heller und freundlicher ist als in den anderen, meist dystopisch düsteren Survival-Games, wird dem Spieler alles an Können abgefordert.

Eine malerische Open World, hinter der sich alptraumartige Szenarien verbergen, ist „Days Gone“. Eine weltweite Seuche hat die Menschheit stark dezimiert oder zu gefährlichen Freakern mutieren lassen. Nur wenige normale Überlebende gibt es noch – darunter ein Biker und Kopfgeldjäger, in dessen Rolle der Spieler schlüpft. Er sucht nach seiner lange für tot geglaubten Frau und will zugleich das Freaker-Problem lösen, was ihm durch Zombies und durchgeknallte Kultisten erschwert wird.

Eine Videogame-Variante des Überlebenstrainings stellt „Don’t Starve“ dar. Der Spieler landet in der handgezeichneten Welt des Antagonisten und hat am Anfang nur eine Aufgabe: nicht zu verhungern. Außerdem muss in der bizarren Umgebung eine Unterkunft gebaut werden, um die Überlebenschancen zu erhöhen. Bushcrafting, Psychologie und das Ausnutzen selbst der verstecktesten Ressourcen sind hier gefordert.

„The Long Dark” basiert ebenfalls auf den Anforderungen für das Überleben in einer kargen Wildnis. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Piloten, der irgendwo in der Weite Nordamerikas mit dem Flugzeug abgestürzt ist. Er hat keine Möglichkeit, sich zu orientieren, es gibt Hinweise darauf, dass eine größere Katastrophe stattgefunden hat, und er muss den Weg zurück in die Zivilisation finden – wenn er nicht vorher erfriert…

Doch mittlerweile haben die Thrills im Kampf ums Überleben den Weg aus der virtuellen in die mehr oder weniger reale Welt geschafft. Reality-Fernsehserien wie „Bear Grylls“, in denen der ehemalige Reservist zeigt, wie er sogar in der abgelegensten Wildnis Wasser finden und Nahrung beschaffen kann, hat das Interesse an Überlebenstraining gesteigert.

Die Vorbereitung auf die härtesten Herausforderungen in freier Wildbahn ist mittlerweile auch in Deutschland möglich. Im Intensiv-Überlebenstraining werden Groß- und Kleinstadthelden darin geschult, wie sie in der Natur unter widrigen Umständen die für das Überleben erforderlichen Grundpfeiler Unterkunft, Feuer, Wasser und Nahrung schaffen können. Wem das nicht genügt, oder wer sich wie die vor allem in den USA verbreiteten Prepper auf ein Zusammenbrechen der Zivilisation vorbereiten will, der kann zudem Unterricht in Bushcrafting, Überlebenspsychologie und Selbstverteidigung bekommen. Trainiert wird üblicherweise in kleinen Gruppen, die lernen müssen, als Einheit zu fungieren, um eine Chance zu haben.

Um zum echten Härtetest zu werden, gibt es in etlichen Camps Bedingungen, die so realistisch wie möglich gestaltet sind. Das Ziel ist es, die Teilnehmer dazu zu bringen, die Natur nicht als Gegner, sondern als Teil von sich zu sehen und imstande zu sein, die Herausforderungen des Überlebens in jeder Umgebung bewältigen zu können.

Wem das zu Hardcore ist, der kann seine Überlebensfähigkeiten in einer Mischung aus Spiel und Realität trainieren. Zu den beliebtesten Möglichkeiten zählen dabei Escape Rooms, die in immer mehr Städten angeboten werden. Dabei gibt es Abenteuer für jeden Geschmack und fast jede Altersgruppe. Eins haben die Räume stets gemein: Die Spielergruppe ist darin eingesperrt und muss diverse Rätsel lösen oder Aufgaben erfüllen, um Zombies zu entkommen, Mordfälle zu lösen, den Weg aus einem nicht gar so verlassenen Bergwerk zu finden oder sich mit Beute aus dem Staub zu machen.

Die tickende Uhr und das Wissen, dass in den meisten Escape Rooms mit jeder verronnenen Minute die Gefahr steigt, sorgt selbst unter erfahrenen Spielern für Spannung.

Auch im Freien gibt es inzwischen Abarten der Escape Rooms. In einer Art Schnitzeljagd, die über das Handy gesteuert wird, werden die Zocker durch die Stadt geschickt, um im Kampf gegen die Uhrzeit Puzzle zu lösen und clevere Aufgaben zu bewältigen. Als Bonus bei dieser Art Escape Games lernen die Zocker die Stadt auf eine andere Weise kennen als bei üblichen Stadtführungen.

Die im Überlebenscamp oder im Live Escape Room gemachten Erfahrungen lassen sich auch in der virtuellen Welt nutzen. Wer es geschafft hat, in der Wildnis einen Unterschlupf zu bauen und im Notfall Insekten zu verspeisen, der lässt sich so schnell von keinem Survival-Game erschrecken.

Den meisten Survival-Fans genügt es, in den sicheren vier Wänden auf dem Handy, PC oder der Konsole ums Überleben zu kämpfen. Doch die beim Zocken gewonnenen Erkenntnisse lassen sich mit Glück auch aufs echte Training in der Wildnis übertragen, und umgekehrt. Selbst wenn der Echtfall nie eintritt, wissen Hardcore-Fans die unter härtesten Bedingungen in der Wirklichkeit erworbenen Fähigkeiten zu schätzen, selbst wenn sie ihre Nervenstärke und strategisches Genie nach dem Camp nur noch beim Zocken demonstrieren. Spielen und lernen gehören aus gutem Grund zusammen.